Im Visier: Ulrike Thalheim

In unserer Rubrik „Im Visier“ stellen sich reihum die Mitglieder von N3GZ anhand eines kleinen Fragebogens vor.

Diese Woche lernen wir Ulrike Thalheim, Abgeordneten-Referentin im Bundestag, kennen.


Wer bist du und wie hast du mit dem Thema Digitale Verwaltung zu tun?

Ich engagiere mich seit 2014 im Berliner OK Lab und im deutschlandweiten Netzwerk von Code for Germany, ursprünglich, weil ich meinen Datenanalyse-Schwerpunkt aus dem Studium gerne in etwas Sinnvolles für die Zivilgesellschaft umsetzen wollte. Nur kommt man, wenn man sich mit Open Data etwas intensiver beschäftigt, gar nicht an dem Thema Digitale Verwaltung vorbei. Und so habe ich mich in den letzten Jahren immer ausführlicher mit dem Thema beschäftigt, zunehmend auch beruflich. Seit 2019 arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestagsbüro von Saskia Esken und habe in u.a. ihre Arbeit in der Projektgruppe KI und Staat der Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz begleitet. Ich arbeite also nicht direkt in oder für die Digitale Verwaltung. Ich sehe mich eher als kritische Begleiterin.

Wie erklärst du deiner Oma, was du machst?

Puh, „was mit dem Internet“ – mehr möchte meine Oma da eigentlich auch nicht wissen. Ich finde in diesem Kontext viel spannender, in welcher Tiefe ich das meinen Eltern erkläre. Neulich erzählte meine Mutter mir, dass sie in einer Marktschlange mit einer Mitarbeiterin des Landes Berlin ins Gespräch kam, die wiederum an dem Projekt „Kita-Navigator“ arbeite. Meiner Mutter kam gar nicht in den Sinn, dass ich genau das interessant finden würde. Da fiel mir auf: Gerade zum Thema digitale Verwaltung haben wir uns noch viel zu selten unterhalten. Vielleicht liegt das an der vermeintlichen Trockenheit des Themas, vielleicht auch an den vielen Frustrationsmomenten, doch das Thema geht uns alle was an und lohnt sich auch in der Familie mal breiter zu diskutiert zu werden. 

Wie bist du zur Digitalen Verwaltung gekommen?

Ich habe vor einiger Zeit Politik- und Verwaltungswissenschaft in Konstanz studiert. Zu meiner Zeit war dort im Bereich Verwaltungswissenschaft leider wenig mehr als „New Public Management“ und „Balanced Scorecard“ zu erfahren – zumindest war das mein Eindruck. Ich habe mich dann auch viel lieber mit Angewandter Statistik sowie Wahl- und Einstellungsforschung beschäftigt. Damit habe ich mich deutlich wohler gefühlt und das hat mich wiederum in die Open-Data-Aktivist*innenszene gebracht. Ein Umweg, der sich gelohnt hat!

Was begeistert dich im Themenfeld so richtig?

Mich motiviert, dass Menschen eher gewillt sind, einer Demokratie und einem Staat zu vertrauen, wenn sie mit einer gut funktionierenden Verwaltung interagieren können. Mich begeistern die Menschen, die gerade mit viel Sachverstand, Herzblut und Idealismus die dicken Bretter in der Verwaltung angehen. Ich kann so viel von ihnen lernen. 

Was frustriert dich bei der Digitalen Verwaltung?

Primär der fehlende Wille, Verantwortung zu übernehmen. Dann wären meiner Meinung nach viel mehr fähige Leute in der öffentlichen Verwaltung und würden Themen voranbringen und intern aufbauen, anstatt immer wieder Beratungsfirmen zu subventionieren. Besonders frustrierend empfinde ich die Berliner Verwaltung.

Was war in letzter Zeit dein größter E-Gov-Aha-Moment und warum?

Der Bund hat 2019 angekündigt, mehr Open-Source-Software in der Beschaffung zu bevorzugen. Ich erhoffe mir da zukünftig einen eigenständigeren Umgang mit betriebener Software und Infrastruktur in der Verwaltung, sowie mehr Transparenz für alle. 

Welche popkulturelle Referenz ist für dich eine innere Referenz für Digitale Verwaltung und warum?

Für meine aktuelle Berufstätigkeit wäre das „Eichwald, MdB“, aber für die Digitale Verwaltung? Da fällt mir spontan leider so gar nichts ein. Kann ich das via Twitter nachreichen?

Welche Frage würdest du den E-Government-Entscheidern unseres Landes gerne mal stellen?

Welche Werte sind Ihnen bei der digitalen Transformation wichtig? Zusatzfrage: E11-Stellen für IT-Sicherheitsexpert*innen, seriously?

Welche „Maschine“ sollte unbedingt für digitale Verwaltung von morgen erfunden werden?

Ein Algorithmus, der automatisch passende Datenstandards empfiehlt oder bei Bedarf neue Standardformate vorschlägt, wäre schon sehr hilfreich. 

Warum bist du bei N3GZ dabei?

Weil ich es als sehr wohltuend empfinde, dass sich viele jüngere sehr fachkundige Menschen zusammentun, um sich über die digitale Transformation in Deutschland auszutauschen und voneinander zu lernen. Und im Zweifel können wir durch Netzwerke in diesem Bereich auch verhindern, dass kluge Köpfe völlig frustriert den Bereich wieder verlassen. 

An welches schönes N3GZ-Erlebnis erinnerst du dich gerne?

Ich war letztes Jahr bei einem Treffen im Berliner City Lab, bei wir über ein paar Innenansichten zum OZG bekamen (Stichwort Unternehmenskonto). Das war ein interessanter Austausch.


Neugierig geworden? Vernetze dich mit Ulrike alias @didumdida auf Twitter und LinkedIn!


Foto: Modestly Huge Camera

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