OZG-Infrastruktur: Wir brauchen gemeinsames Grundwissen!

Am 20. August 2020 fand das erste Barcamp “Verwaltung. Digital. Gestalten” statt, organisiert vom NExT-Netzwerk und dem Fraunhofer-Institut für Offene Informationssysteme. Ich habe die Gelegenheit genutzt und ein Thema als Barcamp-Session eingebracht, das mich sehr beschäftigt: 

Welche gemeinsamen Kenntnisse benötigen wir, um rund 575 OZG-Dienste arbeitsteilig zu entwickeln? Wie können wir diese Kenntnisse herstellen und frisch halten?

Gemeinsame Entwicklung erfordert gemeinsames Wissen.

Arbeitsteilige Entwicklung bedeutet:

  • viele beteiligen sich an der Entwicklung interoperabler Dienste,
  • noch mehr schließen sich dem Ensemble dieser Diensten an.

Uns geht es also um die (sich überlappenden) Zielgruppen: 

  • Dienste-Mitentwickler*innen und
  • behördliche*r Administrator*innen.

Welche Methoden, Standards, Basisdienste, Infrastruktur müssen sie kennen? Wie können wir sie unterstützen, dass sie auf dem Laufenden bleiben?

Die Zielgruppen verstehen

In der Barcamp-Session haben wir uns zunächst unsere Zielgruppen genauer angeschaut:

  • Was sind ihre Aufgaben?
  • In welchen Stellen arbeiten sie?
  • Wie gehen sie vor?
Ergebnis der Gruppenarbeit im Barcamp mit virtuellen Klebezetteln

Das gemeinsame Brainstorming, siehe Abbildung, hat bestätigt, dass die Palette der Aufgaben und Anforderungen sehr vielfältig ist. Da bleibt wenig Zeit für das vertiefte Studium wichtiger Standards und Basisdienste!

Welchen Wissenskanon brauchen die OZG-Umsetzenden?

Welches Wissen benötigen unsere Zielgruppen also, um für die gemeinsame Entwicklung und Nutzung von Diensten gerüstet zu sein? Die notwendigen Kenntnisse verteilen sich auf Methoden, Standards, Basisdienste und Infrastruktur, siehe Abbildung.

Tafelbild aus dem Barcamp

Mit den rund 30 Session-Teilnehmenden waren die Ideen-Tafeln schnell gefüllt. Viele Informationsangebote sind schließlich bereits vorhanden:

Darüber hinaus bestehen Schulungsangebote wie die an vielen Stellen angebotenen Digitallotsen-Programme.

Brainstorming aus dem Barcamp

Wie sieht die Lernreise aus?

Die Ressourcen sind also bereits ziemlich umfassend. Sie müssen im Grunde nur noch zu einer zielgruppengerechten und handlungsorientierten Erfahrung verbunden werden. Hierbei helfen uns die Design-Methoden, die wir in den Digitalisierungslaboren bei der OZG-Umsetzung bereits gelernt haben, siehe die Abbildung unten.

Digitales Whiteboard aus dem Barcamp

Internationale Begleitung in gemeinsamer Sache

Ein immer besserer Wissenszugang zu E-Government-Standards und -Basisdiensten ist ein Schlüssel zu nachhaltiger, resilienter öffentlicher IT. Das gilt natürlich nicht nur für Deutschland mit unserem OZG. Auch international wollen wir vorhandene Ressourcen stärker nutzen und verknüpfen. Ziel ist, dass viele auf einfache Weise ein gutes Grundwissen über die benötigten Standards und Basisdienste erlangen.

Meine brennende Frage, wie wir das gemeinsame Wissen über öffentliche IT fördern können, habe ich deshalb als Challenge in das ukrainisch-deutsche Mentoringprogramm Civic Tech Sisters eingebracht. Meine Mentorin, die Journalistin, Künstlerin und Open-Data-Aktivistin Nadiia Babynska, begleitet mein Vorgehen durch engmaschige Beratung. 

Die Europäische Kommission macht mit ihrer Interoperabilty Academy vor, wie das Themengebiet offener IT-Standards einem diversen Publikum eröffnet werden kann. Sie hat ein “Learner Canvas” entworfen. Ihre Entwicklung von Lernmaterialien ist von der Persona-Methode inspiriert. Zwischenergebnisse des Design-Prozesses sind öffentlich:

Testen und Feedback erbeten!

Wir nutzen diese Möglichkeit und planen eine Reihe offener Austausch-Abende zu europäischen Themen.

Welche Ideen habt Ihr für ein noch vernetzteres Informationsangebot zu eGovernement-Standards und Basisdiensten? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!


Clarisse Schroeder ist Theaterwissenschaftlerin und arbeitet beim Dachverband der kommunalen
IT-Dienstleister in Nordrhein-Westfalen (KDN)
. Mehr über das N3GZ-Mitglied erfahrt ihr in ihrem Interview in unserer Rubrik „Im Visier“. Clarisse twittert unter @clarisse_m_g.

2 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Einblick. Jedoch verstehe ich die Euphorie nicht ganz, denn die Erarbeitung von OZG-relevantem Grundwissen ist selbst im Jahr 2020 noch sehr, sehr mühsam. Ich bin Erziehungswissenschaftlerin, arbeite seit über 15 Jahren in der Landesverwaltung und seit 1 Jahr in einem Digitalisierungsprojekt mit OZG-Bezug.
    Die hier zitierten Informationsangebote sind m.E. nur ansatzweise zum Lernen geeignet, weil sie für Verwaltungsmenschen schlichtweg nicht oder nur sehr begrenzt anschlussfähig sind. Lernen findet nämlich nur statt, wenn ich neue Informationen an bereits erworbenes Wissen und Kompetenzen andocken kann.
    (1) Die Paper usw. sind allesamt auf einem relativ abstrakten Niveau (damit sie für alles passen), damit aber an sich schwer verständlich.
    (2) Die meisten Paper sind offensichtlich nicht von Verwaltungsmenschen geschrieben worden, benutzen neu geschaffene Kunstwörter, obwohl es dafür bereits eingeführte Begriffe in der Verwaltung gibt.
    (3) Generell begegnet man im OZG-Kontext vielen Wortungetümen und schwer memorierbaren Begriffen. Das erschwert das Lernen immens. Eine Vereinfachung der Sprache wäre dringend notwendig. Natürlich braucht man eine Fachsprache, das ist unstrittig.
    (4) Einführende Paper zum OZG bzw. zu EGov tun meist so, als würde man heute mit der Digitalisierung anfangen. Sie betrachten überhaupt nicht, dass viele interne Verwaltungsprozesse bereits digitalisiert sind.
    Die Liste ließe sich fortsetzen. Meines Erachtens ist es deshalb nicht damit getan, dass die Ressourcen „im Grunde nur noch zu einer zielgruppengerechten und handlungsorientierten Erfahrung verbunden werden“ müssen. Die Inhalte der vorhandenen Schulungsmaterialien und Wissensportale müssen dringend überarbeitet werden. Notwendig ist, dass das Wissen besser aufbereitet wird und sich die Wissenssammlung nicht wie bisher auf von Fachexperten erstellte Präsentationen beschränkt. Es bräuchte mehr „Übersetzer:innen“ von der OZG-Welt in die Verwaltungswelt und Pädagog:innen, die wissen, wie man Lernprozesse und Materialien gestaltet.

    1. Vielen Dank Frau Hultsch für die Einschätzung, die ich absolut teile!
      Wir haben Ihren Kommentar im Team gelesen. Denn wir (jetzt rede ich als KDN-Mitarbeiterin) verstehen uns genau als diese „Übersetzer:innen“ mit Blick auf die kommunale OZG-Umsetzung in Nordrhein-Westfalen. Mit den Inputs aus dem Barcamp und von Ihnen arbeiten wir daran, die Vermittlung für unsere konkreten Zielgruppen zu verbessern. Wir machen das im Dialog und sind immer für Rückmeldungen und Austausch dankbar. Wir machen das „open“, damit möglichst viele davon profitieren können.

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