Im Visier: Clarisse Schroeder

In der Rubrik „Im Visier“ stellt sich regelmäßig ein N3GZ-Mitglied vor. Heute beantwortet Clarisse Schroeder vom KDN unseren Fragebogen.

Wer bist du und wie hast du mit dem Thema Digitale Verwaltung zu tun?

Ich bin Clarisse, arbeite im Dachverband kommunaler IT-Dienstleister in NRW (KDN) und engagiere mich im Verein OffeneKommunen.NRW.

Wie erklärst du deiner Oma, was du machst?

Ich arbeite, damit die Leute ihre Behördensachen übers Internet erledigen können, und zwar überall in NRW. In Projektgruppen betrachten wir jede Situation, in der Menschen ihre Kommune kontaktieren: Geburt, Umzug, Unternehmensgründung usw. Wir machen das systematisch, mit Standards. Denn Behörden haben viele Aufgaben und brauchen eine solide Infrastruktur, wie aus Bausteinen.

Wie bist du zur Digitalen Verwaltung gekommen?

Das war um 2012 in der Schweiz. In der schönen Genferseeregion hatte ich eine kleine Kommunikationsfirma. Ausgerechnet die IT-Geschäftsstelle einer Sozialversicherung wurde meine Kundin. Ich kam als Beraterin, wurde feste Mitarbeiterin und ließ mich berufsbegleitend zur IT-Managerin ausbilden. Zeit für den nächsten Schritt: IT-Trainee bei Dataport, dem öffentlichen IT-Dienstleister der nördlichen Bundesländer!

Was begeistert dich im Themenfeld so richtig?

Die demokratische Steuerung. Und die riesige Wirkung. Die digitale Verwaltung hat eine normbildende Kraft. Das braucht Freiräume fürs Querdenken. Meine künstlerische Ausbildung am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Uni Gießen ist eine ideale Vorbereitung für das hochgradig vernetzte und interdisziplinäre Berufsfeld der digitalen Verwaltung: Jede Aufgabe ist ein kleiner Design Sprint.

Was frustriert dich bei der Digitalen Verwaltung?

Antrags-Barrieren: Schriftform, Laufmappen, passwortversteckte Informationen zum Stand der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) oder des Föderalen Informationsmanagements (FIM).

Was war in letzter Zeit dein größter E-Gov-Aha-Moment und warum?

Unterlagen aus der Feder unserer Schulpraktikantin in den Sphären des IT-Planungsrats wiederzusehen: Praktikums-, Hospitations- und Ausbildungsplätze machen den Unterschied! Und wieso nicht einen Schritt weitergehen? Ich träume davon, für kurze Zeit den Job mit einer beliebigen Person zu tauschen, unabhängig von Qualifikation und Spezialisierung (Sicherheit und Ansprechperson vor Ort vorausgesetzt). Der Lerneffekt wäre immens, auch für die beteiligten Institutionen. Eine Woche pro Jahr Anrecht auf Job-Switching – zusätzlich zum Bildungsurlaub: Das würde für viele zusätzliche Aha-Momente sorgen!

Welcher kulturelle Inhalt ist für dich eine innere Referenz für Digitale Verwaltung und warum?

Musik fühlen und in Bewegung umsetzen, das Umfeld im Blick.

Welche Frage würdest du den E-Government-Entscheider*innen unseres Landes gerne mal stellen?

Warum ist die Behörden-Hotline 115 außerhalb von Fachkreisen so gut wie unbekannt? Wir können uns noch so viele Online-Dienste und -Portale ausdenken, es wird immer Fragen geben, wo die Leute erstmal zum Telefon greifen. Was hindert uns, eine Werbekampagne für die 115 zu fahren, prominent platziert am Hauptbahnhof und direkt vor der Tagesschau, und parallel das Angebot flächenmäßig und fachlich systematisch zu vervollständigen, natürlich weiterhin basierend auf den bestehenden deutschlandweiten Standards?

Welche „Maschine“ sollte unbedingt für digitale Verwaltung von morgen erfunden werden?

Eine Intelligenz, die für alle Daten bei Behörden, Menschen und Organisationen erkennen lässt:

  • Wo ist der Speicherort?
  • Wer darf lesen, ändern (in der Regel die verursachende Stelle), validieren (in der Regel die Behörde)?
  • Wer hat wann gelesen, geändert, validiert?

Natürlich Free und Libre, unter allen Aspekten der IT-Sicherheit und mit offenen Schnittstellen für beliebige Frontends und weiterverarbeitende Systeme. Von so einer Wundermaschine sind wir bestimmt nicht mehr weit entfernt. 😉

Warum bist du bei N3GZ dabei?

Der Austausch ist mir extrem wichtig, gerade außerhalb des Tagesgeschäfts, mit Leuten aus verschiedenen Praxisfeldern und der Wissenschaft.

An welches schönes N3GZ-Erlebnis erinnerst du dich gerne?

Bei unserer Gründung 2018 am Rande der Memo-Tagung in Münster waren wir schon relativ viele, aber kannten uns untereinander noch kaum. Jetzt will ich die Treffen und zufälligen Wiedersehen im Netz nicht mehr missen.


Ihr seid neugierig geworden, was Clarisse so alles treibt? Vernetzt euch mit Clarisse auf LinkedIn oder diskutiert mit ihr auf Twitter via @clarisse_m_g.


Titelfoto: Mit Michael Schieben bei der Hamburg Kreativ Gesellschaft, Foto: Selim Sudheimer

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