Im Visier: Derya Catakli

Wer sind die Menschen in unserem Nachwuchsnetzwerk? Diese Frage beantworten wir mithilfe eines kleinen Fragebogens, den ein Mitglied nach dem anderen beantworten darf.

Heute lernen wir Derya Catakli von der Uni Speyer kennen.

Wer bist du und wie hast du mit dem Thema Digitale Verwaltung zu tun?

Ich bin Derya, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Public Management und dem FKS • Führungskolleg Speyer an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften. In dem Rahmen forsche ich allgemein zum Themenkreis der digitalisierten Verwaltung, momentan schwerpunktmäßig zu digitalen Kompetenzen im öffentlichen Dienst. Dabei liegen meine Wurzeln in der Juristerei, ich bin erst in jüngerer Vergangenheit zur Verwaltungswissenschaft „übergelaufen“.

Wie erklärst du deiner Oma, was du machst?

Das ist bei Gastarbeiterenkeln nicht immer ganz einfach. Vielleicht in die Richtung: Ich arbeite an einer Universität und untersuche, wie der Staat mit neuen Technologien für alle Bürger:innen besser werden kann.

Wie bist du zur Digitalen Verwaltung gekommen?

Am Anfang war die Nerdigkeit: Ich habe mich schon immer für neue Technologien und digitalen Kram interessiert, früher aber als Privatvergnügen. Im engeren Sinne hat mich Cambridge Analytica zur Thematik geführt – genauer gesagt ein Artikel namens „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“. Ich war fasziniert davon, wie der digitale Wandel sich gesellschaftlich auswirkt. In meinem ersten Semester an der Uni Speyer konnte ich mich damit und in der Folge auch tiefergehend und interdisziplinär mit Fragestellungen der digitalen Gesellschaft, insbesondere in Staat und Verwaltung auseinandersetzen und wusste gleich, das ist „mein Thema“.

Was begeistert dich im Themenfeld so richtig?

Das Erforschen neuer und bedeutender Entwicklungen an vorderster Front. Viele gesellschaftliche Themen nehmen dadurch an Fahrt auf, dass sie im Kontext mit maschinellen Verfahren an Bedeutung gewinnen: Wir reden offen über biases und Diskriminierungen und schaffen so eine neue Dimension von menschlichem Miteinander und ein neues Verständnis der Verwaltungsarbeit. Das zeigt sich auch in Netzwerken wie dem N3GZ: Ich sehe im Bereich der digitalen Verwaltung ein Level an Vernetzung, Austausch und Kollaboration, das ich vorher nie gewohnt war und das mich nachhaltig begeistert.  

Was frustriert dich bei der Digitalen Verwaltung?

Es gibt natürlich eine Reihe von Dingen, die nicht optimal laufen, etwa Geschwindigkeit und Akzeptanz von Transformationsprozessen, Ausstattung oder bürokratische Vorgänge, die verbessert werden könnten. Es gibt aber nicht die eine Sache, die ich als frustrierend empfinde, denn ich sehe viel mehr, dass sehr viele motivierte und kreative Köpfe in dem Bereich der digitalen Verwaltung unterwegs sind, auch wenn es sich um eine Mammutaufgabe handelt.

Was war in letzter Zeit dein größter E-Gov-Aha-Moment und warum?

Das Jahr 2020 hat mir eine Reihe von Aha-Momenten eingebracht – es gibt Verwaltungseinheiten und Behörden, die aus dem Stand heraus hoch gesprungen sind, weil einfach Lösungen gefunden werden mussten. Erstaunlich fand ich etwa das Selfie-Ident-Verfahren der Bundesagentur für Arbeit, das die persönliche Vorsprache komplett ersetzt. Ich bin gespannt, ob solche neuen Lösungen nach der Rückkehr zur (neuen) Normalität beibehalten oder eingestampft werden, insbesondere in den Domänen, wo die Rechtsgrundlagen nicht angepasst wurden.

Welches Spiel ist für dich eine innere Referenz für Digitale Verwaltung und warum?

Für Verwaltung im Allgemeinen ist das wohl das Spiel „Bureaucracy“ (1987). Den Grund lasse ich einmal dahingestellt – das Spiel ist übrigens online verfügbar… Leider tauchen Staat und Verwaltung in hochtechnologisierter Form eher in dystopischen Situationen auf, sodass ich zur digitalen Verwaltung keine innere Referenz benennen kann.

Welche “Maschine” sollte unbedingt für digitale Verwaltung von morgen erfunden werden?

Der Simplifikator 4.0: eine Übersetzungsmaschine, die alle Vorschriften und Prozesse kennt und zwischen allen Beteiligten vermitteln kann. Sie kann IT-Dienstleistern genau sagen, wo Bedarfe liegen und Entscheider:innen, was machbar ist. Sie übersetzt Begriffe zwischen Disziplinen, sodass Menschen nicht aneinander vorbeireden und hält ein kleines Stoppschild hoch, wenn rechtliche oder tatsächliche Vorgaben im Weg stehen. Bei jeder Datenverarbeitung muss der:die Bediener:in aber bestätigen, dass das in Auftrag gegebene Vorhaben sinnvoll und umsetzbar ist.

Warum bist du bei N3GZ dabei?

Weil es einfach das beste Netzwerk ist! Fast täglich sieht man, wie sich Mitglieder untereinander helfen, bekommt Veranstaltungshinweise, Stellenangebote, Einblicke in verschiedenste Themenbereiche aus Verwaltung und Wissenschaft und vieles mehr. Außerdem weiß man, dass man selbst immer ein offenes Ohr vorfindet und vor allem: Menschen, die ein ähnliches Mindset teilen und neue Ideen nicht schon im Ansatz einstampfen.

An welches schöne N3GZ-Erlebnis erinnerst du dich gerne?

Mein persönliches Highlight war unsere Nachwuchstagung in Speyer zum Thema „Künstliche Intelligenz und Automatisierung in der Verwaltung“ am 7./8. Februar 2020. Es hat sehr viel Spaß gemacht, sich inhaltlich und auch informell auszutauschen und ich hoffe, dass wir das Format im Jahr 2022 wiederholen und zu einer Veranstaltungsreihe ausbauen können. Bis dahin freue ich mich über die zahlreichen N3GZ-Inputs, auch wenn das persönliche Treffen doch irgendwie fehlt.


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