Im Visier: Ramon Rößler

Wer macht unser Nachwuchsnetzwerk eigentlich aus? Um diese Frage zu klären, stellen sich in unserer Rubrik „Im Visier“ regelmäßig N3GZ-Mitglieder anhand eines Fragebogens vor.

Dieses Mal ist Ramon Rößler vom Hessischen Rechnungshof dran.

Wer bist du und wie hast du mit dem Thema Digitale Verwaltung zu tun?

Gude, ich bin der Ramon. Nach meinem Master in Governance und Public Policy habe ich bei einem kommunalen IT-Dienstleister in Hessen angefangen in der Verwaltungsdigitalisierung zu arbeiten – erst als Consultant bei kreisfreien Großstädten und später als Teamleitung für die kommunale OZG-Umsetzung in Hessen. 2021 bin ich dann  zum Hessischen Rechnungshof gewechselt. Hier prüfe und berate ich als Referent für Digitalisierung und E-Government die hessische Verwaltung, um eine effiziente, effektive und wirtschaftliche Verwaltungsmodernisierung und -digitalisierung voranzutreiben.

Wie erklärst du deiner Oma, was du machst?

Ich würde ihr erklären, dass ich darauf achte, dass Steuergelder für modernen Kram so eingesetzt werden, damit möglichst viel dabei rauskommt und die BürgerInnen möglichst viel davon haben.

Wie bist du zur Digitalen Verwaltung gekommen?

Ich glaube durch Zufall. Was ich aber sagen kann ist, dass mich der digitale Fortschritt schon immer Interessiert hat. Und das sogar lange vor der Zeit, seitdem „Digitalisierung“ als Buzzword dafür gilt. Ich war immer gerne vorne mit dabei, wenn es um die Nutzung von neuen Technologien, wie Web 2.0, Hausautomatisierung, etc., ging. Verwaltungsprozesse selbst haben aber – auch in meinem Studium – eine eher untergeordnete Rolle gespielt. In unterschiedlichen Studentenjobs hatte ich dann erste Berührungspunkte mit der öffentlichen Verwaltung und für mich festgestellt, dass hier tatsächlich deutlich mehr Know-how für digitale Themen benötigt wird. Das fehlt leider an vielen Ecken und Enden noch. Zusätzlich kommt der demografische Wandel hinzu, der ein Window of Opportunity zum Verändern durch einen Generationswechsel öffnet. Genau hierbei möchte ich vorne mit dabei sein. Das ist für mich eine Chance und Herausforderung zugleich.

Was begeistert dich im Themenfeld so richtig?

Die Potenziale einer effizienten, prozessoptimierten und digitalen Verwaltung aufzuzeigen und damit etwas Gutes zu tun. Schließlich können nicht nur die Staatskassen dadurch entlastet werden, sondern auch VerwaltungsmitarbeiterInnen sowie letztendlich die BürgerInnen. Es muss halt aber auch gut umgesetzt sein.

Was frustriert dich bei der Digitalen Verwaltung?

Hauptsächlich, dass Digitalisierungsprojekte – meiner Meinung nach – häufig ineffizient gesteuert werden. Ich glaube, das passiert durch mangelnde Informationen, Erfahrung und Wissen seitens  der Verantwortlichen. Dazu kommt, dass die Verantwortung teilweise vollständig an externe BeraterInnen abgegeben wird, die natürlich auch wirtschaftliche Interessen ihres Unternehmens verfolgen. Hier werden dann aus meiner Sicht entweder immer wieder neue Hürden aufgestellt oder gar nicht gesteuert und damit Steuergelder verschenkt.

Was war in letzter Zeit dein größter E-Gov-Aha-Moment und warum?

Dass es auch in der öffentlichen Verwaltung manchmal mit 80-90%-Lösungen (neuerdings auch gerne MVPs, also minimal überlebensfähiges Produkt, genannt) klappen kann und es nicht immer eine 120% Lösung geben muss, die alle theoretisch möglichen Sonderfälle abdeckt. Hier sind vor allem die Express-EfA-Laborlösungen hervorzuheben, wie zum Beispiel ALG II.

Welcher Film ist für dich eine innere Referenz für Digitale Verwaltung und warum?

Obwohl Filme zu meinen Hobbys zählen, muss ich dafür nicht in fiktive Welten eintauchen. Es genügt ein Blick nach Norwegen oder auch Estland.

Welche Frage würdest du den E-Government-Entscheidern unseres Landes gerne mal stellen?

Ich glaube die wichtigste Frage wäre, wieso gewisse Digitalisierungshindernisse nicht schnellstmöglich beseitigt werden. Ich denke hier unter anderen an Schriftformerfordernisse, eID für alle, eine Mindestausstattung für Behörden oder auch vernünftiger Breitband (auch und gerade für die Rathäuser auf dem Land).

Welche „Maschine“ sollte unbedingt für digitale Verwaltung von morgen erfunden werden?

Eine „Sinn“-Maschine, die einfach jedes Projekt, jede Idee, jeden politisch motivierten Akt der öffentlichen Verwaltung auf den Prüfstand stellt und in Kategorien zwischen sinnvoll und überflüssig einordnet, idealerweise schon bei der ersten Konzeption. Dabei sollte sie das Ganze in unterschiedliche Bewertungskriterien gliedern. Zu diesen gehören auf jeden Fall Erleichterung für die NutzerInnen, Erleichterung für die VerwaltungsmitarbeiterInnen, Aufwand und noch natürlich noch weitere.

Warum bist du bei N3GZ dabei?

Um Gleichgesinnte mit ähnlichen beruflichen Schwerpunkt kennenzulernen, neuste Trends in der Digitalisierung kennenzulernen und natürlich auch mitzubekommen, falls vielleicht andere Wege, an die ich ausnahmsweise nicht gedacht habe, schneller zum Ziel führen. 😉

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