Im Visier: Anne-Jasmin Hennig

Wer treibt sich eigentlich so im N3GZ Nachwuchsnetzwerk herum? In unserer Blogreihe „Im Visier“ stellen sich regelmäßig Mitglieder anhand eines Fragebogens vor.

Heute stellt sich Anne-Jasmin Hennig vom Landratsamt Bautzen und Mutter des N3GZ-LinkedIn-Profils vor.

Wer bist du und wie hast du mit dem Thema Digitale Verwaltung zu tun?

Hi, ich bin Anne, 29 Jahre alt und arbeite beim Landratsamt Bautzen. Ich bin Assistentin der Amtsleitung im Amt für Bodenordnung, Vermessung und Geoinformation und dort vor allem für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten zuständig. Dabei leite ich ein 5-köpfiges Projektteam zur Einführung einer ERP-Software. Diese soll unser digitales Arbeiten auf ein neues Level heben. Weiterhin arbeite ich aktuell an der Einführung von nutzerfreundlichen Onlineanträgen mit ePayment-Funktion. Alles in allem ist es meine Mission, frischen digitalen Wind in unsere analogen „Amtsstuben“ zu bringen und unser tägliches Arbeiten durch neue Arbeitsmethoden, ein anderes Mindset und moderne Technologien zu ergänzen.

Wie erklärst du deiner Oma, was du machst?

Ich arbeite in meiner Verwaltung daran, dass wir bessere Leistungen für BürgerInnen erbringen können und unsere MitarbeiterInnen das richtige Werkzeug dafür bekommen.

Wie bist du zur Digitalen Verwaltung gekommen?

Im Auftrag meiner Chefin sollte ich mir einen Überblick über vorhandene ERP-Software-Systeme auf dem Markt verschaffen. Darüber bin ich mit vielen IT-Dienstleistern in Kontakt gekommen. Das war für mich die Initialzündung für mein Interesse an der Digitalen Verwaltung. Hinzu kamen die aktuellen Entwicklungen durch das Onlinezugangsgesetz. Seitdem konzeptioniere und leite ich Projekte rund um die Digitalisierung und gebe Impulse, um unser tägliches Arbeiten zu hinterfragen und neu zu denken. Außerdem studiere ich nebenberuflich „Digital Business“ an der Internationalen Hochschule (IUBH).

Was begeistert dich im Themenfeld so richtig?

Bewegung. Gefühlt herrscht in der Verwaltung seit Jahren ein gewisser Stillstand oder zumindest eine recht langsame Weiterentwicklung. Es gibt so viele ungenutzte Potenziale und Defizite, die daraus erwachsen. Die Digitale Transformation schafft durch ihren disruptiven Charakter eine Veränderungsnotwendigkeit, der die Verwaltung nicht mehr ausweichen kann. So besteht endlich die Chance etwas zu bewegen und zu verbessern, denn davon haben wir alle etwas.

Was frustriert dich bei der Digitalen Verwaltung?

Das könnte eine längere Liste werden. Starre Strukturen, lange Entscheidungswege, Silodenken und der Mangel an Einsicht, dass die Veränderung von Arbeitsweisen dringend notwendig ist. Außerdem mangelndes Vertrauen und Förderung williger Fach- und Nachwuchskräfte sowie fehlende Investition in Weiterbildung der Beschäftigten, um digitale Kompetenzen zu erlernen. Bei all dem ist mir bewusst, dass Kommunen eine schwere Last tragen und durch begrenzte finanzielle Mittel wenig Spielraum haben. Aber gerade hier sollten willige Fachkräfte unabhängig der Struktur gefördert werden sowie Offenheit und Mut für kleine stetige Veränderungen da sein.

Was war in letzter Zeit dein größter E-Gov-Aha-Moment und warum?

In meinem Fernstudium spielt unter anderem das Erlernen von Programmiersprachen wie Python eine Rolle. Bei zwei Fachkongressen der öffentlichen Verwaltungen habe ich mir Vorträge zur Low-Code-Programmierung und Robotic Process Automation angehört. In diesen Entwicklungen steckt so viel Potenzial, welches Verwaltungen in der Zukunft, mangels Fachkräften, unter anderem im Bereich der Softwareentwicklung, nutzen können.

Welcher Film ist für dich eine innere Referenz für Digitale Verwaltung und warum?

Asterix erobert Rom. In meinem täglichen Kontakt mit BürgerInnen muss ich oft an die Szene mit dem Passierschein A38 denken. Denn BürgerInnen besuchen das Amt A und stellen einen Antrag. Dafür braucht es weitere Unterlagen. Amt A gibt ihnen einen Zettel mit Nachforderungen und schickt es zu Amt B. Im Amt B hören sie schließlich, dass sie dafür einen Antrag stellen müssen. Nach erfolgreicher Antragstellung erhalten die BürgerInnen einen Bescheid sowie die gewünschte Dienstleistung. Statt einem direkten Austausch der Unterlagen zwischen den Behörden schicken wir BürgerInnen zwischen Amt A und Amt B hin und her. Obendrein müssen sie sich dabei mit allerhand neuen Fachbegriffen und gesetzlichen Regelungen vertraut machen. Und es gilt an dieser Stelle zu bemerken, dass mit Einreichung der Unterlagen noch ein langer Weg bis zum Erhalt der Leistung in Amt A bevorsteht.

Das können wir doch besser, oder?

Welche Frage würdest du den E-Government-Entscheidern unseres Landes gerne mal stellen?

Warum entwickeln wir in Anbetracht des Fachkräftemangels nicht unsere vorhandenen Angestellten weiter und vermitteln Ihnen digitale Kompetenzen und attraktive Aufstiegsmöglichkeiten?

Welche „Maschine“ sollte unbedingt für digitale Verwaltung von morgen erfunden werden?

Eine KI für unsere Verwaltung, die uns immer wieder Optimierungspotenziale sowie einfache Lösungsansätze aufzeigt und die unseren Führungskräften mit Nachdruck zu verstehen gibt, welche Folgen das Unterlassen oder Aufschieben einer Entscheidung hat.

Warum bist du bei N3GZ dabei?

Weil die Vernetzung zwischen den Verwaltungen alte Silo-Strukturen aufbricht, man sehr viel für die eigene Arbeit lernen kann und VerwaltungsmitarbeiterInnen davon nur profitieren können. Ich habe bei N3GZ das Gefühl mehr bewegen zu können als in meinem unmittelbaren Wirkungskreis in der Verwaltung. Dieses Potenzial muss erkannt und genutzt werden.

An welches schöne N3GZ-Erlebnis erinnerst du dich gerne?

Ich bin seit Januar 2021 dabei und von Beginn an begeistert von dem Austausch über die Mailingliste. Dort habe ich viele hilfreiche Tipps und Impulse für die Umsetzung meiner Projekte bekommen. Bei Slack geht es ebenfalls richtig aktiv zur Sache und es gibt viel Raum, sich selbst einzubringen. Das ist genial!

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