Im Visier: Nane Sommer

In dieser Rubrik stellen sich regelmäßig N3GZ-Mitglieder entlang eines Fragebogens vor. Dieses Mal lernen wir Nane Sommer von der Stadt Hamburg kennen.

Wer bist du und wie hast du mit dem Thema Digitale Verwaltung zu tun?

Moin zusammen! Ich bin Nane, 30 Jahre alt und arbeite bei der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH). Ich bin Referentin im Bereich Organisationsentwicklung und dieses Jahr – gemeinsam mit einer Kollegin – damit beschäftigt, die Organisationsentwicklung für unseren Stadtstaat behörden- und bezirksübergreifend zu professionalisieren. Die Digitale Verwaltung läuft dabei natürlich im Kopf immer nebenher mit, ob als Chance, dringende Notwendigkeit oder toller Impulsgeber. Spannend sind für uns vor allem Themen wie neue Arbeitsorganisationen und -formen im Zusammenhang mit der digitalen Transformation.

Wie erklärst du deiner Oma, was du machst?

Ich arbeite in einer großen Verwaltung und versuche dafür zu sorgen, dass alle Kolleginnen und Kollegen zukünftig besser arbeiten können.

Wie bist du zur Digitalen Verwaltung gekommen?

Ich habe als WiSo-Trainee bei der FHH angefangen und mich schon im Studium für Themen rund um die Entwicklung von Organisationen interessiert und dahingehend spezialisiert. Auf meiner zweiten Station im ministeriellen Personalbereich durfte ich daher dann 2018 gemeinsam mit meiner Chefin und Kolleg:innen aus den ministeriellen Organisation- und Digitalisierungsbereichen direkt eine große Veranstaltung auf die Beine stellen: „Mensch.Digitalisierung“. Das Ziel war es, die zentralen Bereiche der FHH dafür zu sensibilisieren, dass Digitalisierung nicht nur die IT-Bereiche betrifft sondern es eben um eine ganzheitliche Transformation unserer Verwaltung geht.

Was begeistert dich im Themenfeld so richtig?

Das vielen Beschäftigten die Möglichkeit geboten wird, sich jetzt kreativ einzubringen. Ich habe das Gefühl, dass lange eine Kultur von „Das haben wir schon immer so gemacht, das wird jetzt weiter so gemacht.“ geherrscht hat und viele dadurch sehr frustriert und starr geworden sind. Gefühlt schütteln diese Starre nun mehr und mehr Kolleg:innen ab und es geht immer stärker in Richtung „Ich habe hier die Chance, etwas zu bewegen. Die nutze ich jetzt auch!“.

Was frustriert dich bei der Digitalen Verwaltung?

Das wir viele tolle virtuell verfügbare Tools für Workshops aus Datenschutzgründen nicht nutzen dürfen und die offiziellen Tools nach wie vor jahrelange Testphasen durchlaufen. Das ist gerade in Corona-Zeiten sehr schmerzhaft, weil dadurch die Möglichkeiten für virtuelle Workshops oder Events sehr beschränkt bzw. unnötig verkompliziert werden. Dies führt leider wiederum zu Widerständen bei den Teilnehmer:innen und/ oder Frust auf Organisator:innen-Seite und behindert dann wieder die Akzeptanz einer digitalen Transformation.

Was war in letzter Zeit dein größter E-Gov-Aha-Moment und warum?

Wir haben aus unserem internen stadtweiten Netzwerk „Orga Think Tank“ oder kurz OTT heraus eine digitale Digi-Rallye veranstaltet. Dort haben sich 10 spannende Digitalisierungs-Projekte und Vorhaben aus der gesamten FHH vorgestellt. Die Berichte waren alle total spannend aber am meisten habe ich beim Bericht über den Connected Urban Twin (einen digitalen Zwilling unserer Stadt) gelernt. Super interessant, was eigentlich digital alles so möglich ist.

Welcher Film ist für dich eine innere Referenz für Digitale Verwaltung und warum?

Die Szene mit dem Passierschein A38 aus „Asterix erobert Rom“ in Kombination mit der Serie „Silicon Valley“. Weil sich die digitale Verwaltung gerade genau zwischen diesen beiden Paradoxa befindet. Es gibt auf der einen Seite unglaublich viel Geld, Talent und Ideen und auf der anderen Seite über Jahrzehnte gewachsene Strukturen, Kulturen und Regeln, die sich teilweise selbst aushebeln.

Dazu ein vielleicht etwas überspitztes Beispiel: Du kannst als Mitarbeiter:in der Behörde A z.B. theoretisch eine hilfreiche Software bestellen – hat dir ein Kollege aus Behörde B erzählt und diese auch schon erfolgreich genutzt. Wenn du den Bestellprozess anstößt, wartest du aber erstmal mehrere Wochen auf eine Rückmeldung, weil kompliziert formatierte Word-Formulare ausgefüllt werden müssen. Die Daten müssen dann wiederum von einem anderen Bereich in eine Excel-Tabellen gepflegt werden und mindestens fünf Bereiche und der Dienstleister dem noch zustimmen. Alle kommunizieren natürlich nur per Mail miteinander. Nach 1-2 Monaten bekommst du dann die Rückmeldung, dass die Software leider nicht bestellt werden kann, weil sie nicht im Standardwarenkorb von Behörde A ist. Der Grund ist, dass Behörde A irgendwann mal eine andere Entscheidung getroffen hat als Behörde B und deshalb geht es bei Behörde A leider doch nicht, obwohl es dieselbe Verwaltung ist.

Welche Frage würdest du den E-Government-Entscheidern unseres Landes gerne mal stellen?

Wieso tut ihr euch so schwer damit, Ausnahmeregeln in Bezug auf Digitalisierung und Innovation zu erlassen? Ich würde mir Experimentier- oder Innovationsklauseln wünschen, unter denen nicht unsere strengen (und für das „normale Verwaltungsgeschäft“ ja auch wichtigen) Datenschutzrichtlinien und Regeln gelten, damit wir endlich befähigt werden, auch einfach mal Dinge auszuprobieren.

Welche „Maschine“ sollte unbedingt für digitale Verwaltung von morgen erfunden werden?

Eine KI, die für mich veraktet und binnen Sekunden die Akten raussuchen kann, die ich brauche. Es würde einfach sooo viel Zeit sparen!

Warum bist du bei N3GZ dabei?

Weil ich es wichtig finde, dass sich spannende Menschen, die an ähnlichen Themen arbeiten untereinander vernetzen können und weil im Kollektiv eh immer mehr bewegt werden kann als alleine. Außerdem ergeben sich aus jedem Austausch über den eigenen Tellerrand hinaus interessante Impulse für die eigene Arbeit.

An welches schöne N3GZ-Erlebnis erinnerst du dich gerne?

Ich bin ganz frisch im Netzwerk dabei, daher freue ich mich eher zukunftsgerichtet auf viele schöne Erlebnisse. 🙂


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