Im Visier: Vincent Patermann

In der Blogreihe „Im Visier“ stellen sich regelmäßige spannende Menschen aus dem N3GZ Nachwuchsnetzwerk vor. Diesmal kommt Vincent Patermann zum Zuge.

Wer bist du und wie hast du mit dem Thema Digitale Verwaltung zu tun?

Ich bin Vincent, derzeit Beschäftigter im Digital Innovation Team des Bundesministerium des Innern (für Bau und Heimat) und Geschäftsführer des NExT e.V., des „Netzwerk: Experten für die digitale Transformation der Verwaltung“. Als gemeinnützige Plattform vernetzen wir öffentlich Bedienstete ressortübergreifend und überföderal, um gemeinsam voneinander und miteinander zu lernen. Damit sollte auch Teil 2 der Frage beantwortet sein. ☺

Wie erklärst du deiner Oma, was du machst?

Ich sorge dafür, dass öffentlich Bedienstete sich treffen und ihr Wissen über die Digitalisierung miteinander teilen, damit wir bald eine bessere Verwaltung für uns alle haben.

Wie bist du zur Digitalen Verwaltung gekommen?

Ziemlich random. Ich habe mehrere Jahre als Musikmanager gearbeitet und bin dann über einige Zufälle und Umwege 2018 im öffentlichen Dienst gelandet. Da merkte ich schnell: Hier produzierst du zwar keine Hit-Singles, aber dafür kannst du daran mitarbeiten, wie wir als Gesellschaft und Individuen mit dem Staat interagieren und dich wirksam für eine sinnvolle Sache einsetzen.

Was begeistert dich im Themenfeld so richtig?

In der Musikindustrie habe ich das Leben von Menschen schöner gemacht, jetzt kann ich (zumindest daran mitwirken) es auch besser (zu) machen. Stichwort „Purpose-driven organisation“, denn mehr „Purpose“, als das Gemeinwohl, gibt es wohl kaum. Das ist super! Und Spaß macht es dabei auch noch.

Was frustriert dich bei der Digitalen Verwaltung?

Eine oft mangelnde Dienstleistungsorientierung in einer dienst-leistenden Verwaltung finde ich ziemlich irritierend. Ich bin gelegentlich schockiert, wie sehr man die Kundin ignorieren kann. Gleichwohl erlebe ich aber zugegeben oft auch das genaue Gegenteil: Hochengagierte, lösungsorientierte Dienstleisterinnen. Außerdem nervig: Undurchschaubare Verwaltungsstrukturen/-prozesse, bei denen du erst einmal Ewigkeiten mit der Suche nach dem richtigen Ansatz, also eigentlich der Selbstverwaltung, befasst bist und nach einem langen Arbeitstag noch keinen einzigen Zentimeter Mehrwert geschaffen hast. Könnte man gelegentlich auch als Zuständigkeits-Ping-Pong ohne Nutzen bezeichnen. Und wie überall eigentlich frustrieren mich Egos, die sich und anderen im Weg stehen, besonders, wenn es sich dabei um Führungskräfte handelt. Und zuletzt frustriert mich der fehlende (gefühlte) Handlungsdruck bei vielen Entscheider:innen. Es scheint, als hätten wir in der Verwaltung zwei Dinge im Überfluss: Zeit und Geld. (Kleiner Hinweis an meine Verwaltungsfellows: Haben wir nicht! 😃)

Was war in letzter Zeit dein größter E-Gov-Aha-Moment und warum?

Der Aha-Moment war für mich eher ein „Na-Geht-Doch“-Moment: In vielen Gesprächen haben mir Entscheider:innen aus der Verwaltung von ihrer Erkenntnis erzählt, dass sie viele Dienstreisen und Präsenztermine eigentlich gar nicht machen bzw. wahrnehmen müssten, weil es auch remote ginge, nur dass gelegentlich die Tools noch fehlen. Einzig – und da kann keine Zoom-Konferenz helfen – darf das Menschliche nicht verloren gehen und genau dafür sind persönliche Treffen auch weiterhin gut! Aber eine Besprechung (oder gar Dienstreisen) künftig noch als Präsenztermin stattfinden zu lassen sollte meiner Meinung nach künftig gut begründet werden.

Welcher Film ist für dich eine innere Referenz für Digitale Verwaltung und warum?

Eigentlich jede Heldenreise: Wir sind auf dem Weg der Prüfungen und erleben gerade, dass ein „Weiter so“, denn „Haben wir schon immer so gemacht!“ nur eine Scheinlösung ist. Zeit, dass wir erkennen, dass unser Gegner in Wahrheit wir selbst sind (und nicht „Der Datenschutz“, „GAFA“ oder „Der Föderalismus“)!

Welche Frage würdest du den E-Government-Entscheidern unseres Landes gerne mal stellen?

Welche Frage würdest du den Bürger:innen unseres Landes gerne mal stellen?

Welche „Maschine“ sollte unbedingt für digitale Verwaltung von morgen erfunden werden?

Der automatische Projekt-Kühlschrank, der die oft wenig Nutzen stiftenden 80% aller Projekte einfriert, damit wir die kostbare Zeit auf die 20% der wesentlichen Projekte verwenden. Und mal ehrlich: Die aufgetauten Projekte schmecken eh nicht mehr!

Warum bist du bei N3GZ dabei?

Ich bin beim N3GZ dabei, weil ich mir wünsche, niemals mit dem Lernen aufzuhören und es dafür hilfreich ist, über den Tellerrand zu gucken.

An welches schönes N3GZ-Erlebnis erinnerst du dich gerne?

Zufällig einen Haufen N3GZler:innen in Lübeck zu treffen. Und: Zum ersten Mal einen virtuellen Stammtisch zu moderieren!


Du willst mehr über Vincent erfahren? Dann vernetze dich mit ihm auf LinkedIn oder folge ihm auf Twitter unter @vpatermann.

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